Gothaer – Schadentracker

Wie BSI Schadenregulierung von Unsicherheit zu einem transparenten Sicherheits- und Vertrauensprozess gemacht hat

Ausgangspunkt

Ein Schadenfall ist kein administrativer Vorgang.
Er ist ein psychologischer Ausnahmezustand.
Kunden sind verunsichert, zeitlich unter Druck und emotional belastet. Gleichzeitig treffen sie auf komplexe Prozesse, unklare Zuständigkeiten und lange Phasen ohne Rückmeldung. Gerade in dieser Situation entscheidet sich, ob eine Versicherung als verlässlicher Partner oder als anonyme Institution wahrgenommen wird.
Die Gothaer verfügte über leistungsfähige Schadenprozesse und hohe fachliche Kompetenz. Dennoch zeigte sich ein strukturelles Spannungsfeld: Die tatsächliche Bearbeitung eines Schadens war häufig schneller und strukturierter, als sie vom Kunden wahrgenommen wurde. Was fehlte, war nicht Leistung – sondern sichtbare Sicherheit.
Das Problem war nicht mangelnde Regulierung.
Es war Intransparenz im Erleben des Prozesses.

Die zentrale Fragestellung

Wie lässt sich Schadenregulierung so gestalten, dass sie nicht zusätzlich verunsichert, sondern Sicherheit erzeugt?
Und wie kann ein digitaler Prozess Transparenz schaffen, ohne neue Ängste, Rückfragen oder Kontrollverlust auszulösen – gerade in einer Situation, in der Vertrauen entscheidend ist?

Was BSI gemacht hat

BSI hat den Schadentracker nicht als Service-App konzipiert, sondern als psychologischen Sicherheitsraum innerhalb der Schadenjourney. Ausgangspunkt waren mehrere marktforscherische Untersuchungen zur Wahrnehmung, Erwartungshaltung und zum emotionalen Erleben von Schadenfällen.
Die Ergebnisse waren eindeutig: Kunden benötigen weniger Kommunikation, aber klarere Orientierung. Nicht jedes Detail ist relevant – entscheidend ist zu wissen, wo man steht, was gerade passiert und was als Nächstes folgt. Unklarheit erzeugt Stress, selbst wenn der Prozess sachlich korrekt läuft.
Auf dieser Basis entwickelte BSI das Konzept eines digitalen Schadentrackers, der den Bearbeitungsstand eines Schadenfalls in klar definierten Stufen sichtbar macht. Der Prozess wird nicht beschleunigt, sondern lesbar. Fortschritt wird nicht erklärt, sondern gezeigt.
Entscheidend war dabei der Perspektivwechsel:
Transparenz bedeutet nicht, alles offenzulegen.
Transparenz bedeutet, Unsicherheit zu reduzieren.
Auf dieser Grundlage wurde der Schadentracker nicht als klassische Service-App, sondern als bewusst gestalteter Sicherheitsraum entwickelt. Sprache, Statuslogik und Visualisierung folgten nicht internen Prozessschritten oder technischen Möglichkeiten, sondern psychologischen Prinzipien von Orientierung und Beruhigung. Der Fortschritt eines Schadenfalls wird nicht in Details zerlegt, sondern in klaren, nachvollziehbaren Phasen abgebildet.
Die App verlangt keine Entscheidungen, kein Nachfassen und keine aktive Steuerung durch den Kunden. Sie signalisiert kontinuierlich: Der Prozess läuft, Verantwortung liegt nicht beim Versicherten, sondern bei der Gothaer. So entsteht Transparenz ohne Überforderung – und Kontrolle ohne Verlagerung von Verantwortung. Der Schadentracker wird damit nicht zum Interaktionswerkzeug, sondern zum stillen Begleiter durch eine belastende Situation.
Der Schadentracker übersetzt interne Prozesslogik in eine für Kunden verständliche Journey. Status, Übergänge und nächste Schritte werden kontinuierlich aktualisiert – ruhig, sachlich und ohne Alarmismus.

Die Wirkung

Das Modell zeigt, wie digitale Tools im Schadenfall nicht nur Effizienz steigern, sondern Vertrauen stabilisieren können. Kunden erleben den Schadenprozess als nachvollziehbar und geführt, statt als Black Box. Rückfragen nehmen ab, Unsicherheiten werden früh abgefangen, die wahrgenommene Geschwindigkeit der Regulierung steigt.
Aus einem abstrakten Vorgang wird eine transparente Abfolge.
Aus Warten wird Verstehen.
Aus Unsicherheit wird Orientierung.
Der Schadentracker macht die Schadenjourney sichtbar – ohne sie emotional aufzuladen.

BSI-Perspektive

BSI hat keinen Schadenprozess digitalisiert.
Wir haben Sicherheit gestaltbar gemacht.
Gute digitale Services erklären nicht mehr.
Sie nehmen Unsicherheit heraus.
Nicht jede Transparenz schafft Vertrauen.
Aber jede gute Versicherung braucht Prozesse, die sich auch so anfühlen.
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BSI Office Hamburg